Die Wachablösung bei der Schach WM – was man von Magnus Carlsen lernen kann

Nach langer Zeit komme ich nun endlich dazu, einen Artikel über eines meiner weiteren Hobbys, neben der Malerei, zu schreiben. Auch wenn die Schach WM jetzt schon etwas her ist, hat der Sieg von Magnus Carlsen die Schachwelt dennoch verändert.

Die Ende November zu Ende gegangene Schach-Weltmeisterschaft in Chennai (Indien) zwischen dem norwegischen Herausforderer Magnus Carlsen (22) und dem indischen Titelverteidiger Viswanathan Anand (43) sorgte für ein weltweites Medieninteresse. Nachdem der junge Norweger in den letzten Jahren auf Turnieren rund um den Erdball von Sieg zu Sieg eilte, stand ihm nun sein bedeutendster Wettkampf bevor. Und diesen meisterte er mit Bravour: Er besiegte Anand mit 3 Gewinnpartien und blieb dazu noch ungeschlagen. Zuvor fragte sich die Schachwelt, wie Carlsen nervlich mit der für ihn neuen Situation fertig werden würde. Der Herausforderer gab eine deutliche Antwort auf den 64 Feldern.
Die Medien lieben den neuen Weltmeister und die Experten sprechen von einer Wachablösung im Schach. Hunderte Millionen Zuschauer verfolgten die spannenden Partien von Chennai live im Internet. Die Schachwelt ist sich einig: Magnus Carlsen ist ein würdiger Weltmeister und er ist gut für das Image des königlichen Spiels. Das junge Schachgenie Magnus Carlsen, das auch schon mit Modelaufnahmen an der Seite von Liv Taylor für Aufsehen sorgte, hat so gar nichts gemein mit den „verstaubten“ Meistern der Schachgeschichte. Der gut aussehende und stets lässige Carlsen zeigte der ganzen Welt: Man muss kein Nerd sein, um erfolgreiches Schach zu spielen.

Carlsen revolutioniert das Schachspiel
Magnus Carlsen bringt die Kunst des Schachspiels auf eine neue Ebene, nicht nur weil er fast jedes Turnier gewinnt, an dem er teilnimmt oder deutlich die Weltrangliste anführt. Nachdem in den letzten zwanzig Jahren ausgefeilte Eröffnungs- und Computervorbereitungen der Großmeister das Spitzenschach bestimmten, widmet sich der junge Norweger vor allem dem Endspiel. Dies ist die Phase, in der sich die Wirkungskraft der Figuren in Reinkultur entfalten kann. Der neue Weltmeister zwingt wie einst der legendäre Amerikane

r Bobby Fischer seine Gegner, die Stellungen auf den 64 Feldern bis zum Ende auszuspielen und ist nicht an den üblichen schnellen und kräftesparenden Unentschieden interessiert. Dabei kommen ihm sicherlich auch seine Jugend und Physis zugute – nach Garry Kasparov (Russland) ist er der zweitjüngste Weltmeister aller Zeiten. Magnus Carlsen liebt das Endspiel, die von so vielen Spielern vernachlässigte letzte Phase des Schachspiels, und bezeichnenderweise in dieser Phase hat er kürzlich auch den scheidenden Weltmeister Anand aus Indien bezwungen. In dieser Hinsicht hat er schon jetzt bei vielen Anhängern des königlichen Spiels für Denkanstöße und Neuorientierungen gesorgt.

Der Evangelist Lukas – Schutzpatron der Kunstmaler

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und doch gibt es bereits einen neuen Blogartikel von Klaus Euler. Dieses Mal befasse ich mich mit der Verbindung von Kunst und Kirche, denn nicht nur Seefahrer und Feuerwehrmänner haben Schutzpatrone, sondern auch Künstler.

Der Evangelist Lukas hat nicht nur das Lukas-Evangelium verfasst, sondern war gleichfalls Arzt und – so die Legende – ein begnadeter Maler. Mehr als 7000 Bildnisse der Muttergottes und des Christuskindes werden ihm zugeschrieben. Seit dem 14. Jahrhundert gilt Lukas als Schutzpatron der Malergilden, die sich daher auch als Lukas-Gilden oder Lukas-Bruderschaften bezeichnen.

Lukas als Maler: Historische Überlieferungen
Der Mythos, dass Lukas Maria und Christus gemalt hat, kam im 6. Jahrhundert auf. Was den Tatsachen entspricht, weiß man nicht. So ist nicht eindeutig nachweisbar, dass Lukas zum engsten Kreis der Apostel gehörte. Doch wenn die Vermutung stimmt, konnte er den Lebensweg Christi begleiten und aus nächster Nähe dokumentieren.
Die ältesten Schriftquellen, die Lukas als Maler hervorheben, sind aus dem 8. Jahrhundert aus Byzanz überliefert. Im westeuropäischen Raum setzte sich die Legende erst im Mittelalter durch. Um 1180 berichtete Nicolaus Maniacoria von Lukas’ Malerei, im 13. Jahrhundert fügte der Chronist Jacobus de Voragine die Malerlegende in die Biografie des Evangelisten ein. Seit damals haben sich Szenen, die Lukas beim Zeichnen oder Malen der Gottesmutter und des Christuskindes zeigen, zu Standardmotiven der Kunstgeschichte entwickelt. Maler verliehen ihrer Verehrung Ausdruck, wiesen damit selbstbewusst auf ihren Berufsstand hin und setzten immer auch ihre gesellschaftliche Identität in Szene.

Lukas als Patron der Maler: Kunsthistorische Zeugnisse
Die Liste der Künstler, die Lukas an der Staffelei abbildeten, ist lang. Rogier van der Weyden stellte 1440 das wohl berühmteste Werk mit dem Titel „Der Heilige Lukas porträtiert die Madonna“ fertig. Hier sind nicht allein Lukas und sein Motiv, sondern gleichfalls Maria und Christus zu sehen. Sie symbolisieren die Religion, erweitern also den durch Lukas gegebenen allegorischen Hinweis auf die Malerei. Auch auf den Renaissance-Gemälden von Colijn de Coter (um 1490/93), Jan Gossaert (um 1520) und Bartholomäus Spranger (1582) oder auf den barocken Bildnissen Luca Giordanos (um 1650/55) und Pierre Mignards (1695) kommen sowohl Lukas als auch die beiden wichtigsten Figuren des Christentums zur Geltung.
Dagegen stellte Andrea Mantegna zu Beginn des 16. Jahrhunderts in seinen Fresken in der Basilika Sant’ Andrea in Mantua allein den malenden Evangelisten dar. Schon bei Mantegna rückt Lukas’ Bedeutung für die Malerzunft ins Zentrum, und im 19. Jahrhundert hoben Friedrich Overbeck und Franz Pforr mit der Gründung ihres „Lukasbundes“ Vergleichbares hervor. Ihre 1809 ins Leben gerufene Gruppe ist auch unter dem Namen „Nazarener“ bekannt: Mit dem Mittelalter und der Renaissance idealisierten die beteiligten Künstler die Blütezeit der Lukas-Verehrung.