Dadaismus – die Anti-Kunst-Bewegung

Was ist Dada? Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn Dada ist nicht, wie der Impressionismus, der Expressionismus oder dergleichen ein Stil, in dem Künstler und Künstlerinnen arbeiten. Dada ist mehr eine Art von Lebenseinstellung, die auf die Kunst übergriff und sich zum Ziel setzte, alle Arten der Kunst ad absurdum zu führen.

Synthese von Musik, Theater, Literatur und Bildender Kunst

Normalerweise lassen sich die Künste halbwegs klar separieren: Musik ist für die Ohren, Malerei und Skulptur für das Auge, Theater für Auge und Ohr zusammen, Literatur für das Gemüt. Was ist Dada? Dada ist alles. Die Künstler des Dada inszenierten in den 1910er Jahren Events und Happenings, die allesamt ein Gesamtkunstwerk waren. Räume wurden mithilfe von Licht, Farbe, Möbelstücken und Requisiten hergerichtet, Literatur wurde rezitiert, Kunstwerke wurden präsentiert. Alles war Performance, alles stand unter dem Gedanken von Dada. Auch die Musik, die die Inszenierung untermalte. Die Grenzen zwischen den einzelnen Kunstformen verschwammen, und der Grundstein des heutigen Kunst-Events war gelegt.

Warum?

Auf diese Frage antwortet Dada selbst: Warum nicht? Die Bewegung entstand in einer sehr schwierigen Zeit. Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Errungenschaften überschlugen sich, der Fortschritt nahm ein nie gekanntes Tempo und Ausmaß an. Und plötzlich stand der Mensch im Mittelpunkt: Er war das Objekt medizinischer Untersuchungen, psychologischer Erkenntnisse, anthropologischer Vermessungen und kultureller Forschung. Die Künstler und Künstlerinnen des Dada waren weltoffen, sie reisten, bildeten sich beständig fort, waren politisch aktiv und in den klassischen Wissenschaften bewandert. Sie verfolgten das Tagesgeschehen. Und inmitten dieses immensen Fortschritts und Wissens fand ihr Kunstschaffen statt, das all die Einflüsse aufnahm und verarbeitete. So, wie andere Kunstrichtungen immer im Rahmen des Zeitgeschehens gesehen werden müssen, ist auch Dada Ausdruck einer Epoche. Allerdings war dies eine recht schnelllebige Epoche, denn der Weltkrieg war bei Aufflammen der Bewegung 1916 voll im Gang, der zweite folgte bald. Dazwischen wurde die Bewegung von Zürich aus nach Berlin, Paris, New York, Hannover und Köln getragen. Sie sollte die Antithese zur Kunst sein, sollte Kunst absurd erscheinen lassen in einer Welt, in der Menschen nicht mehr die Kunst zum Staunen brauchten, die dank der Wissenschaft alle Notwendigkeit von Glauben und individuellem Können verloren hatte.

Diesen Sommer tragen die Elefanten Hüte

… mit diesem Satz machten die Künstler in Paris die Absurdität des Kunstbetriebs offensichtlich. Dada wurde selbst zur Kunstrichtung und lebt bis heute fort. Denn obwohl Dada offiziell für tot erklärt wurde, lassen sich Spuren davon noch in der zeitgenössischen Kunst finden, sind in allen Formen künstlerischen Schaffens zwischen 1916 und heute vorhanden. Denn Dada befreite die Kunst von ihrem Anspruch auf Ernsthaftigkeit.

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