Sommer, Sonne, Hitze – Fluch oder Segen für Maler?

Bei Sommer und Malerei hat man leicht das etwas romantisch verklärte Bild vom einsamen Künstler mit Staffelei und Ölfarben an einer Küste vorm inneren Auge. Vielleicht denkt man auch an die Sommerwiese oder eine Berglandschaft. Auf jeden Fall ist die Natur das, was sich einem Maler wie Klaus Euler im Sommer besser als zu jeder anderen Jahreszeit erschließt. Kein Regen oder starker Wind muss berücksichtigt werden. Statt mit Klemmen gegen das Wegfliegen der Zeichenunterlage zu kämpfen oder damit konfrontiert zu sein, schnell einpacken zu müssen, falls ein Gewitter aufzieht, kann man sich einfach aufs Feld setzen und anfangen. Oder?

Der Sommer ist Zweifels ohne eine schöne Jahreszeit zum Malen und Zeichnen. Nicht nur sind viele Kontraste deutlicher als im Herbst oder Frühjahr. Man muss eben auch nicht mit feuchter Witterung rechnen, mit Wolkenbrüchen oder Böen. Das macht den Maler unabhängig. Er kann seine Sachen packen und sich draußen einen Platz suchen, an dem er nicht frieren oder unter Zeitdruck arbeiten muss. Dort bleibt es dank des langen Sonnentages viele Stunden hell und man hat die Möglichkeit, das Motiv länger bei gleichen Lichtbedingungen zu beobachten. Das alles erleichtert die Kunst.

Aber es gibt auch einiges zu beachten. So sollte man in der heißen Jahreszeit stets zügig und gezielt arbeiten, wenn man mit Wasser arbeitet. Aquarelle im Sommer sind schwierig, denn bei starker Hitze bleibt wenig Spielraum, die Farben noch verschwimmen zu lassen. Man muss jeden Pinselstrich planvoll setzen, bevor alles eingetrocknet ist, Ränder entstehen und man das Ergebnis nur noch wenig modellieren kann. Für Aquarelle eignet sich deshalb eher das Frühjahr. Gleiches gilt für Acrylfarben. Sie sind zwar flexibler mischbar, auch nach Trocknung, und notfalls kann man eine misslungene Stelle dank ihrer starken Deckkraft auch noch einmal überpinseln. Bei einem dicken Farbauftrag kann es jedoch zum Einreißen der Farbe kommen. Wenn es zu heiß ist, platzt diese dann grob oder fein auf und der Auftrag beginnt, spätestens beim Transport, zu bröckeln.

Grundsätzlich gilt: Alle wasserlöslichen Farben trocknen schnell aus. Je mehr sie verdünnt werden, desto leichter. Man sollte also Farben nutzen, die sich leicht wieder anlösen oder decken lassen. Ideal wären hierfür einfache Töpfchenfarben auf Wasserbasis oder Tempera. Sie sind auch nach Auftrag löslich, bilden keine zu dicken Farbschichten und decken dennoch ausreichend – ein guter Mittelweg für die Praxis. Wem das nicht genügt, der kann sich an Ölfarben halten. Sie trocknen weniger schnell und sind nach Auftrag noch etwas modellierbar oder überstreichbar. Man sollte sie dennoch – wie auch alle übrigen Farben – keiner direkten Sonnenstrahlung aussetzen. Der Schattenplatz tut nicht nur dem Maler gut, sondern auch dem Bild. Außerdem sollte mit Lösungsmitteln für die Pinselreinigung im Sommer besonders vorsichtig und sparsam umgegangen werden. Es ist sinnvoll, auf reizende und brennbare Mittel so weit wie möglich zu verzichten.

Neben diesen Problemen vor Ort kann man planen, welche Arbeiten zu Hause möglich sind. Versiegelungen etwa können hier aufgetragen werden. Auch Farbkorrekturen und Kontraste lassen sich besser im Schatten nacharbeiten, da sehr helles Licht die Einschätzung vor Ort erschwert.

Der Sommer kann also anstrengend sein. Alles in allem ist er dennoch eine wunderbare Jahreszeit für den Maler. Das Wetter lässt große Freiheit in der Wahl des Ortes und künstlerischen Objektes zu. Klare Sicht und kräftige Farbtöne laden zur Motivsuche ein. Mit den richtigen Farben, einer schnellen Arbeitsweise und Planung kann man die vielen Sonnenstunden nutzen und sich den Herausforderungen anpassen.