Ohne das Flüstern der Bäume zu hören, gelingt keine glaubhafte Naturmalerei

Nicht umsonst sind grandiose Naturszenerien schier endlose Themen für jeden Maler, der mit offenen Augen durch die Lande geht. Gigantische Bäume – ob nun als Solitäre oder im Wald in der Gemeinschaft stehend – sorgen stets für besondere Faszination. Wenn Du es schon einmal selbst miterlebt hast, wie sich an einem festen Standort das Erscheinungsbild von Waldszenerien im Verlaufe weniger Stunden mannigfach verändern und ständig wechselnde Licht- und Stimmungsbilder zaubern kann, wird Dich das wohl nie mehr los lassen.

Gleißendes Gegenlicht verwandelt den düsteren Fichtenhain in bizarre Traumkulissen

Klar – um besonders orgiastische Launen und Lichtspiele von „Mutter Natur“ in ein bombastisches Gemälde umzusetzen, musst Du in jeder freien Stunde mit Deiner Staffelei draußen sein und enorme Geduld mitbringen. Denn nur so kannst Du wirklich atemberaubende Motive finden – wenn sich etwa die Sonne dreht und eine langweilige „Forstplantage“ von Nadelbäumen in ein wahres Panoptikum gespenstisch sich spreizender Silhouetten vor ihrem flutenden Licht verwandelt.

Der Wandel der Jahreszeiten – eine wahre „Fundgrube“ für den Maler

Mischwälder und Laubbäume – über das ganze Jahr hinweg beobachtet – liefern Dir darüber hinaus ein ständig neu interpretierbares Spektrum der Farben. Schüchterne, zarte Austriebe im Frühjahr als Detailbeobachtung an der uralten Eiche bilden ebenso ein malerisches Szenario wie ihr Fruchtbehang im Herbst. Ganz zu schweigen von der allmählichen Veränderung des Laubes in Form und Tönung vom Erwachen der Natur bis zu ihrem Dahinscheiden im Winter. Nicht umsonst genießt etwa der „Indian Summer“ in artenreichen kanadischen Misch- und Laubwäldern als unvergessliches Motiv für jeden engagierten Maler. Doch auch in Deutschland kannst Du nicht minder beeindruckende Bilder umsetzen. Dazu musst Du aber die Welt der Bäume und Wälder ständig erforschen und letztendlich kennen wie Dich selbst. Dann wirst Du wissen, dass Ahornbäume ebenso in strahlendem Gelb wie in fulminantem Rot leuchten können, dass die Blutbuchen ihr ersterbendes Laub vom dunklen Purpur in verblassende Orangetöne verwandeln oder die Pappeln ihr zartes Grün plötzlich zum düsteren Schwarz werden lassen. Im Verein mit den gleichmütig den Winter erwartenden, immergrünen Koniferen eines Mischwaldes wird Dir niemals der „Stoff“ für neue, unverwechselbare Gemälde ausgehen.

Das Leben und Sterben von Bäumen und Wäldern macht ein Gemälde zum Zeitdokument

Wenn Du als Maler bereit bist, auch kritische Akzente in Deine Bilder einzubringen, kannst Du tragische Szenen sterbender Natur sogar zu Zeitdokumenten machen. Tote Bäume, an Pestiziden gestorben, oder „wirtschaftskonform“ abgeholzte Wälder bleiben in Deinem Gemälde immerdar erhalten und auch für die Nachkommen unvergessen. Ein schöner Gedanke, finde ich!